Gundermann ist ein weitverbreitetes Kraut, das an Waldrändern und an Äckern als Bodendecker gedeiht. Auch in lichten Wäldern, heimischen Gärten, auf brachliegenden Flächen und an Bahndämmen findet man Gundermann. Die Pflanze braucht relativ viel Feuchtigkeit und ausreichend Kalk und Stickstoff. Wenn in der Landwirtschaft gedüngt wird, sind die Böden meist stickstoffreich.
Gundermann kommt hauptsächlich in Europa und im nördlichen Asien vor. Am häufigsten trifft man ihn in Mitteleuropa an. Die Pflanze breitet sich schnell aus. Weil er dann zügig den ganzen Boden bedeckt, heisst er im Volksmund auch Erdefeu. Die Blütezeit für die blauen, kleinen Blüten ist von Mai bis Juni.
Die Botanik nennt Gundermann Glechoma hederacea. Andere Namen sind: Wideruf, Erdkränzel, Stinkender Absatz, Efeugundermann, Gundelrebe, Donnerrebe, Engelskraut, Huderich, Hederich, Guck durch den Zaun, Gundam, Gundelrieme, Erdhopfen und Katzenminze.
Gundermann in der volkskundlichen Überlieferung
Sebastian Kneipp, der Erfinder der nach ihm benannten Kuren, wusste über Gundermann nur Gutes zu berichten und nannte die Pflanze „Heil aller Welt“. Tatsächlich enthält Gundermann viele pharmakologisch wertvolle Stoffe. Die Tradition kennt Gundermann bei vielen Leiden:
- Rheuma
- Gliederschmerzen
- Husten und Schnupfen
- Entzündungen
- Wunden
- Schwäche der Nieren und der Blase
- Beschwerden bei der Menstruation
- Ohrensausen
- Hautunreinheiten
- Katarrhe im Magen-Darm-Bereich
Die magische Tradition des Gundermanns
Gundermann ist eher unscheinbar und sehr klein. Daher bringt man die Pflanze in Verbindung mit den Erdgeistern, Kobolden und Wichteln. Sie nähert sich dem Menschen, ohne sich aufzudrängen. Wo sie gedeiht, sind ihre Wald- und Naturkräfte spürbar, denn sie öffnen sich dem Austausch mit dem Menschen. Schon Hildegard von Bingen wusste, dass Gundermann die Kraft des Grünen und der Ewigkeit in sich trägt. Die Pflanze steht wie alle Lippenblütler für das Licht, das die Macht zur Erneuerung hat. Die Göttin Freya wird Gundermann zugerechnet. Das Kraut kann böse Kräfte vertreiben. In früheren Zeiten hat man Gundermann für einen Milchzauber eingesetzt, wenn die Kühe nicht ausreichend Milch gaben oder diese sich nicht gut zu Butter verarbeiten liess. Verbinden Sie sich durch Gundermann mit den Kräften des erwachenden Lebens von Mutter Natur.
Gundermann kann sich im Wald oder im Garten fabelhaft in die Gemeinschaft mit anderen Pflanzen einbinden. Gundermann macht ihnen nicht etwa den Platz streitig, sondern lebt in friedlicher Koexistenz mit ihnen zusammen. Dies lernen wir durch das Kraut. Gundermann ist sehr lebendig, hält sich aber im Hintergrund.
Räuchern mit Gundermann
Die Pflanze gehört zu den ersten Kräutern im Frühling. Daher ist sie als Zutat in der Suppe zu Gründonnerstag beliebt. Diese beinhaltet traditionell neun Kräuter. Gundermann erneuert beim Räuchern den Stoffwechsel zum Frühlingsbeginn und hilft uns über die Kälte und Starre der kalten Jahreszeit hinweg. Durch Gundermann vertrauen wir wieder in das neu erwachende Leben und schöpfen Hoffnung. Der Duft des Rauchs ist erdig, würzig und fein, daher passt er auch gut zur Walpurgisnacht und zu Samhain. Dann schafft Gundermann einen Kontakt mit den Erdkräften. Die Botschaft des Rauchs ist das Ende des Kampfs und der Beginn der Versöhnung. Die Fähigkeit zum Gemeinschaftsleben keimt neu in uns auf. Dabei nehmen wir unsere Aufgaben für die Gemeinschaft wieder dankbar an und erfüllen sie. Gundermann stiftet Licht und Wärme und spendet Lebenskräfte. Die Dinge, die sich nicht lebendig weiterentwickeln, befreit der Rauch von Gundermann aus dem Zustand der Starre.
